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21.11.2016 – Pressemitteilung Bistum Limburg

"Eine echte Herausforderung"

Bischof Georg feiert am Sonntag Abschluss des Heiligen Jahres

Über 140 Personen kamen zum Abendgespräch mit Landrat Manfred Michel, Pater Helmut Schlegel, Bischof Georg, Professor Valentin und Dr. Hejo Manderscheid (v.l.). Foto: clm/Bistum Limburg.

LIMBURG.- Bischof Dr. Georg Bätzing hat am Sonntag, 20. November, mit einer Andacht im Limburger Dom den Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gefeiert. Die Gottesdienstbesucher zogen in einer kleinen Prozession ein letztes Mal durch die Pforte der Barmherzigkeit der Bischofskirche. "Länger als in Rom hat die Pforte der Barmherzigkeit in Limburg offen gestanden", sagte Bätzing. Zwar gehe das Jahr der Barmherzigkeit zu Ende, der barmherzige Zuspruch Gottes bestehe aber weiter.

Gegenteil von Gleichgültigkeit gegenüber Not

In seiner Predigt ermutigte der Bischof die Gläubigen im Bistum, auch künftig Barmherzigkeit zu leben. Wie "ein Schüler das Schreiben, wie ein Kind am Klavier, wie der Fußballer beim Training, wie der Meister in seinem Handwerk", müssten sich Christen im barmherzigen Handeln üben. "Barmherzigkeit, das ist ein Lebensstil. Barmherzigkeit, das ist geradezu die urwüchsige, radikale Form christlichen Lebens. Barmherzig ist, wessen Herz spürt, dass etwas nicht stimmt, und wer daraus Konsequenzen zieht", deutete Bätzing. Der altbacken und verstaubt klingende Begriff sei zeitgemäßer als erwartet. Barmherzigkeit sei das Gegenteil einer um sich greifenden Gleichgültigkeit gegenüber der Not in der Welt.

Der Anspruch, Barmherzigkeit zu leben, ist hoch: "Barmherzigkeit ist eine echte Herausforderung." Es reiche nicht, einmal zu geben und sich dann wieder zur Tagesordnung zu begeben. "Barmherzigkeit, die nicht etwas grundsätzlich ändert, ist erbärmlich." Die Werke der Barmherzigkeit müssten sich selbst überflüssig machen. "Erst wenn die Würde und Selbstbestimmtheit eines Menschen wiederhergestellt ist; erst wenn ein Mensch das Nötige für sein Leben wieder aus eigenen Kräften, auf eigenen Beinen, mit der Arbeit der eigenen Hände erreichen kann; wenn seine Abhängigkeit überwunden wird, dann hat sich die Barmherzigkeit erfüllt, dann hat sie ihr Ziel erreicht", so Bätzing.

Kirche muss konkret handeln

Zu der anschließenden Podiumsdiskussion kamen 140 Personen in das Limburger Bischofshaus. An dem Abendgespräch, zu dem der Sozialpolitische Arbeitskreis des Bistums Limburg eingeladen hatte, nahmen neben Bischof Georg Bätzing auch der Landrat des Kreises Limburg-Weilburg, Manfred Michel, der Direktor des Diözesancaritasverbandes, Hejo Manderscheid, sowie der Franziskanerpater Helmut Schlegel teil. Professor Joachim Valentin, Leiter des Frankfurter Hauses am Dom, moderierte das Podium. "Politik hat auch Chancen Barmherzigkeit walten zu lassen", unterstrich Landrat Michel. Zugleich könne die Politik nicht alle Probleme alleine lösen. Dazu fehlten dem Staat die finanziellen Mittel. Mit Blick auf die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen äußerte der Landrat scharfe Kritik an der Kirche: "Wir brauchen nicht nur die vielen freiwilligen Helfer, sondern auch die Kirche." Diese könne nicht nur über Barmherzigkeit diskutieren, sondern müsse auch konkret handeln.

"Es gibt keinen Grund, dass wir uns beruhigen", sagte Bischof Georg über die Situation Geflüchteter in Deutschland. "Die wirkliche Integration der Flüchtlinge hat erst begonnen", sagte Bätzing. Es werde keine Insel des Wohlstandes geben, wenn rundherum die Welt in Armut, soziale Spaltung und Krieg versinke. Zur Barmherzigkeit gehöre es auch, die Situation der Menschen in der Welt wahrzunehmen und Unrechtsstrukturen zu ändern. Die Menschen in den reichen Industrieländern müssten zudem ihren Lebensstil hinterfragen und ändern, sonst würden sich globale Probleme wie etwa die Flucht- und Migrationsbewegungen sowie der Klimawandel weiter verschärfen: "Es gibt nur eine einzige Welt. Und alles was wir nehmen, nehmen wir anderen weg." Der westliche Lebensstil sorge dafür, dass Menschen ihre Länder verlassen müssten auf der Suche nach einem besseren Leben.

Rückfall in Nationalismen nicht biblisch

"Wir können das Spirituelle nicht vom Politischen trennen", glaubt Pater Helmut Schlegel. Barmherzigkeit sei eine Tiefendimension, aus der ein Verhalten und Handeln wachse. Die aktuell wachsenden nationalen Tendenzen in Politik und Gesellschaft sind für Schlegel nicht biblisch. Die Heilige Schrift wolle gegenseitige Hilfe und Solidarität. "Es braucht eine Neubesinnung auf die Werte, die wirklich zählen: Menschenwürde, Menschenrecht, Gerechtigkeit in Barmherzigkeit."

Der Sozialpolitische Arbeitskreis ist ein Arbeitskreis des Limburger Bischofs. Er hat die Aufgabe, in sozialen Fragen zu beraten und sich zu Wort zu melden. Mitglieder sind der Caritasverband für die Diözese Limburg, die Katholische Akademie Rabanus Maurus, die Arbeitsgemeinschaft der Verbände im Bistum Limburg, die Abteilung Weltkirche im Dezernat Pastorale Dienste, das Nell-Breuning-Institut an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen sowie das Kommissariat der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen. Der Arbeitskreis hatte zum Abschluss des Jahres der Barmherzigkeit ein Orientierungspapier veröffentlicht und gefordert, größere finanzielle Mittel für globale Entwicklungs- und Klimaprojekte bereitzustellen. Dieser Forderung schlossen sich zahlreiche Besucher im Publikum an. (clm)


Weitere Informationen unter www.sozialpolitik.bistumlimburg.de .Dort findet sich auch das Orientierungspapier. 

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